Investieren28. Sept. 20269 Min. Lesezeit

Die Alles-Blase: warum ich glaube, dass sie platzt, und mein Plan dafür

Aktien, Immobilien, Schulden: alles gleichzeitig zu teuer, finde ich. Die Zahlen, die Bilanz der Crash-Propheten und ein Plan, der auch hält, wenn ich irre.

Was ich mit Alles-Blase meine#

Ich glaube, wir stecken in einer Alles-Blase, auf Englisch „Everything Bubble“. Aktien, Immobilien, Schulden: alles so bepreist, als könnte nie wieder etwas schiefgehen. Wenn sich alle einig sind, dass nichts passieren kann, schaue ich, wo der Notausgang ist.

Das ist meine Meinung, keine Prognose. Ein Datum habe ich nicht. Die beiden, denen ich bei dem Thema folge, Michael Burry und Robert Kiyosaki, haben übrigens auch keins. Ihre Bilanz beweist es.

Die Blase ist nur ein Teil von dem, was mir Sorgen macht. Ich glaube, dass mehrere große Umbrüche gleichzeitig kommen: teure Märkte, abwandernde Industrie, Schulden und Zinsen, Alterung und KI. Das ganze Argument steht in Nimm deine Zukunft selbst in die Hand.

Eine Meinung ohne Zahlen ist bloß eine Stimmung. Also her mit den Zahlen. Eine Lücke gibt es: Für Immobilien habe ich keine einzelne weltweite Zahl gefunden, der ich traue. Der Teil bleibt Meinung.

Die Zahlen, bevor mich jemand Schwarzmaler nennt#

Erst schätzen

KennzahlLetzter WertZum Vergleich
Shiller-KGV (CAPE), S&P 50041,48 am 25. September 2026Durchschnitt 17,42, September 1929: 32,56, Dezember 1999: 44,19
US-Anteil im MSCI World72,14 % am 31. August 202623 Länder im Index
Zehn größte Unternehmen im MSCI World26,61 % am 31. August 20261.280 Unternehmen im Index
Weltweite Schulden348 Billionen US-Dollar Ende 2025Etwa 308 % der Weltwirtschaftsleistung
Wertpapierkredite in den USA1,45 Billionen US-Dollar im August 20261,06 Billionen US-Dollar im August 2025

Kurz übersetzt: Das CAPE teilt den Kurs des S&P 500 durch seine durchschnittlichen, inflationsbereinigten Gewinne der letzten zehn Jahre. Bei 41,48 kosten US-Aktien mehr als das Doppelte ihres langfristigen Durchschnitts. Und mehr als vor dem Crash von 1929. Der Rekord liegt bei 44,19, aufgestellt im Dezember 1999.

Dazu kommt die Konzentration. Ein „Welt“-Fonds auf den MSCI World besteht zu 72 % aus einem Land, und zehn Unternehmen tragen mehr als ein Viertel. Schöne Welt.

Dann die Schulden. Das Institute of International Finance zählte Ende 2025 348 Billionen US-Dollar, fast 29 Billionen mehr als ein Jahr zuvor. Sein Bericht vom September 2026 sieht die Summe über 365 Billionen. Was gegen mich spricht: Gemessen an der Wirtschaftsleistung ist die Quote fünf Jahre in Folge gesunken. Die privaten Schulden sind im Verhältnis zur Wirtschaft geschrumpft. Die Staatsschulden sind weiter gestiegen. Wer hätte das gedacht. Das Geld anderer Leute ausgeben ist das Einzige, was Staaten zuverlässig können.

Und die Wertpapierkredite, also geliehenes Geld für Aktienkäufe. In den USA sind sie in zwölf Monaten um etwa 37 % gewachsen.

Die Propheten im Faktencheck#

Ihre Bilanz kannst du in einer Minute nachschlagen. Also habe ich es gemacht, bevor du es tust.

Michael Burry#

Burry leitete den Hedgefonds Scion Capital. Ab Mai 2005 kaufte er Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) auf Anleihen aus Subprime-Hypotheken. Die zahlen, wenn die Anleihen ausfallen. Die Krise kam 2007. Laut Michael Lewis erzielte der Fonds zwischen November 2000 und Juni 2008 nach Gebühren 489,34 %. Er war zwei Jahre zu früh. Und hatte recht.

Was danach kam, taugt weniger zum Kinofilm. Es steht alles in seinen Posts und in den Pflichtmeldungen seiner zweiten Firma, Scion Asset Management:

  • 31. Januar 2023: Er postete ein Wort, „Sell.“ Am 30. März 2023 schrieb er, er habe damit falsch gelegen. Das CAPE lag im Januar 2023 bei 28,34. Jetzt liegt es bei 41,48.
  • 30. Juni 2023: Die Meldung zeigt Put-Optionen auf je 2 Millionen Anteile der beiden großen ETFs auf den S&P 500 und den Nasdaq 100, ausgewiesen mit 1,63 Mrd. US-Dollar. Das ist der Wert der zugrunde liegenden Anteile, nicht der Preis, den er gezahlt hat. Ein Quartal später war die Position weg.
  • 30. September 2025: Put-Optionen auf 5 Millionen Palantir-Aktien und 1 Million Nvidia-Aktien, ausgewiesen mit 1,10 Mrd. US-Dollar, etwa 80 % der Meldung.

Im Oktober 2025 schrieb er seinen Anlegern, seine Einschätzung von Wert passe seit einiger Zeit nicht mehr zu den Märkten. Die Registrierung der Firma endete am 10. November 2025. Heute schreibt er einen Newsletter. Geht seine Wette gegen KI-Aktien auf? Weiß noch keiner.

Robert Kiyosaki#

Erst schätzen

Der Autor von Rich Dad Poor Dad warnt seit mehr als zwanzig Jahren vor dem größten Crash der Geschichte. Sein Buch Rich Dad’s Prophecy erschien 2002. Ziemlich viel „jetzt aber wirklich“. Die Trefferliste der letzten Jahre:

  • Im Februar 2023 erklärte er, der Crash sei da. Der S&P 500 beendete das Jahr mit einem Plus von 24 %.
  • Im Februar 2024 schrieb er, Aktien- und Anleihemärkte stünden vor dem Crash. Der Index stieg in dem Jahr um 23 %.
  • Dann nannte er den Februar 2025. Und in dem Frühjahr fielen US-Aktien tatsächlich: Das CAPE sank von 37,19 im Februar auf 32,63 im April. Im Juli lag es wieder bei 37,48.
  • Im April 2026 sagte er, die Alles-Blase platze gerade.

Seinen Followern rät er zu Gold, Silber und Bitcoin. Diese Seite tut das nicht. Ich teile seine Sorge wegen der Schulden, nicht seinen Einkaufszettel.

Ein hohes CAPE ist kein Crash-Datum#

Zu früh dran sein sieht genauso aus wie falschliegen. Manchmal jahrelang.

Am 5. Dezember 1996 fragte Alan Greenspan, damals Chef der US-Notenbank, in einer Rede, ob „irrationaler Überschwang“ die Preise von Vermögenswerten hochgetrieben habe. Das CAPE lag in dem Monat bei 27,72. Der Gipfel kam drei Jahre später, bei 44,19. Der Chef der Notenbank lag also drei Jahre daneben. Aber klar, der Typ auf YouTube kennt das genaue Datum.

Vanguard hat mehr als ein Dutzend Signale an US-Daten von 1926 bis 2011 getestet. Die Bewertung war das beste davon, und selbst sie erklärte nur etwa 40 % der Schwankung der realen Renditen über die folgenden zehn Jahre. Und auf kurze Sicht? Alle Signale nutzlos.

Ein hohes CAPE hieß also im Schnitt: niedrigere Renditen im folgenden Jahrzehnt. Ein Datum hat es noch nie geliefert.

Was ein Crash mit einem Sparer wirklich gemacht hat#

Der MSCI World verlor zwischen dem 31. Oktober 2007 und dem 9. März 2009 57,46 %, in US-Dollar mit reinvestierten Dividenden. Über seinem alten Hoch schloss er erstmals wieder am 10. April 2013. Fast fünfeinhalb Jahre lang rote Zahlen im Depot. Die meisten halten keine fünf Wochen durch.

Erst schätzen

Woher der Unterschied? Der Sparplan hat auch in den billigen Monaten gekauft. Stur schlägt mutig. Historische Renditen sind kein Versprechen, und in Euro sehen die Zahlen anders aus. Es geht ums Muster.

Der Crash-Plan#

  1. Notgroschen. Drei bis sechs Monatsausgaben in bar, wie in Stopf die Lecks.
  2. Kein Hebel. Keine Aktien auf Kredit, kein Wertpapierkredit. Gar keiner.
  3. Die Fünf-Jahres-Regel. Geld, das du in den nächsten fünf Jahren brauchst, hat in Aktien nichts verloren.
  4. Ein sicherer Teil. Wenn du von deinem Depot lebst oder das bald vorhast, halte die Lebenshaltungskosten einiger Jahre außerhalb von Aktien.
  5. Breiter streuen. Über ein Land und über die zehn größten Unternehmen hinaus. Die Optionen stehen in MSCI World vs. FTSE All-World.
  6. Einmalbeträge in Schritten. Vanguard hat festgestellt: Sofort alles anzulegen schlug den Einstieg über drei Monate in 68 % der Fälle, gemessen nach einem Jahr mit Daten des MSCI World von 1976 bis 2022. Schritte kosten im Schnitt also Rendite. Ich würde sie trotzdem gehen, wenn sie dich davon abhalten, in Panik zu verkaufen.
  7. Eine schriftliche Regel für minus 30 %. Schriftlich, weil dein Kopf im Crash kein guter Ratgeber ist. Die Vorlage steht in Mach sie nicht kaputt.
  8. Einkommen, das du selbst steuerst. Ein eigenes Unternehmen verdient Geld, auch wenn das Depot gerade keins abwirft. Fang bei Build an.

Du willst wissen, was ein Crash in den ersten Jahren mit deinen Entnahmen macht? Probier es aus.

Wenn dein Unternehmen über das Hobby-Stadium hinaus ist, gehört auch seine Struktur zu deinem Crash-Plan.

Und wenn ich falschliege?#

Dann bläht sich die Blase noch jahrelang auf, und ich sehe aus wie die Propheten weiter oben, nur ohne Bestseller. Genau deshalb muss der Plan billig sein.

Das ist der Preis der Versicherung, und damit kann ich leben. Die teure Variante ist, draußen zu bleiben, bis der Crash kommt: Ab 1996 hätte das drei Jahre Warten bedeutet.

Und der Sparplan, der weiterläuft? Gib ihm deine Zahlen.

$ compound --monthly 300
€
Jahre
%

Zum ganzen Check

Dieser Artikel ist Bildung, keine Anlageberatung. Er enthält meine Meinung, keine Prognose und keine Produkttipps.

Quellen#

Wissen, keine Beratung. Ich kenne deine Situation nicht, und vergangene Renditen versprechen gar nichts. Prüf meine Zahlen, dann entscheide selbst. Du bist erwachsen.