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Kenne deine Zahlen

Nettovermögen, Cashflow, Sparquote und deine Rentenlücke in heutiger Kaufkraft. Vier Zahlen, die aus „Ich müsste mal …“ ein Ziel machen.

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Was du nicht misst, kannst du nicht reparieren#

Niemand wird im Gym stärker, indem er das Gewicht auf der Stange schätzt. Beim Geld ist es genauso, nur dass die meisten nicht mal zur Stange hinschauen.

Du brauchst vier Zahlen. Keine App, kein Abo, kein Finanzstudium. Eine Tabelle reicht. Ein Bierdeckel zur Not auch.

Zahl 1: Nettovermögen#

Nettovermögen ist Vermögen minus Schulden. Mehr nicht.

Vermögen: Giro- und Sparkonten, Geldanlagen, der aktuelle Wert von Vorsorgeprodukten, die du wirklich zu Geld machen könntest, Immobilien zu einem realistischen Verkaufspreis. Realistisch, nicht das, was dein Nachbar angeblich bekommen hat.

Schulden: Immobilienkredit, Autokredit, Konsumkredite, Dispokredit, Kreditkartensaldo, Studienkredit, Geld, das du der Familie schuldest.

Auto, Fahrrad und Laptop lässt du weg, außer du würdest sie wirklich verkaufen. Die verlieren an Wert und zahlen dir mit 70 nicht die Miete.

Kommt was Negatives raus? Auch gut. Das ist kein Urteil, das ist dein Startlevel. Wichtig ist, wohin die Zahl in den nächsten Quartalen läuft.

Zahl 2: monatlicher Cashflow#

Cashflow ist, was reinkommt, minus was rausgeht.

Schnapp dir die Kontoauszüge der letzten drei Monate. Addiere alle Nettoeinnahmen. Dann alle Ausgaben, sortiert in drei Töpfe:

  1. Fix: Miete oder Kreditrate, Nebenkosten, Versicherungen, Abos, Kreditraten.
  2. Variabel: Essen, Mobilität, Ausgehen, Kleidung, Hobbys.
  3. Unregelmäßig: Urlaub, Reparaturen, Jahresrechnungen. Teile durch zwölf.

Warum drei Monate? Damit dir ein teures Wochenende nicht die Statistik versaut. Heraus kommen deine durchschnittlichen Monatsausgaben, und die Zahl brauchst du ab jetzt in jedem Level.

Zahl 3: Sparquote#

Die Formel: Sparquote = (Nettoeinkommen − Ausgaben) ÷ Nettoeinkommen.

Warum eine Quote und kein Betrag? Weil sie mit dir mitwächst. Wer bei 2.500 € 15 % spart und bei 4.000 € immer noch 15 %, hat ein System, das funktioniert. Wer bei beiden Einkommen 200 € spart, hat einen Lebensstil, der jede Gehaltserhöhung zum Frühstück verputzt.

Ich halte die Sparquote für die nützlichste Zahl der privaten Finanzen. Die Rendite? Bestimmst nicht du. Die Quote schon.

Probier’s mit deinen eigenen Zahlen und schau, was die Quote mit dem Jahr macht, ab dem du finanziell frei bist.

$ freedom --when
Jahre
€
€

Zum ganzen Check

Jeden Monat mit Absicht weniger ausgeben, als reinkommt. Regierungen nennen das Austerität und behandeln es wie eine Naturkatastrophe. Bei dir heißt es Plan.

Zahl 4: Was der Staat angeblich zahlt#

Jedes staatliche Rentensystem in Europa führt Buch über dich, und jedes zeigt dir die Akte, wenn du fragst. Manche schicken einmal im Jahr einen Brief. Die meisten haben ein Online-Konto hinter dem nationalen E-ID-Login. Unterschiedlich sind der Name und wie viel das Ding zugibt.

LandFrag nachWas du bekommst
DeutschlandRenteninformation (Deutsche Rentenversicherung)Ein Brief pro Jahr mit einer hochgerechneten Rente zum Rentenalter
ÖsterreichPensionskontoDeine Gesamtgutschrift. Geteilt durch 14 ist das die bisher erworbene monatliche Bruttopension
PolenInformacja o stanie konta ubezpieczonego (ZUS)Dein Kontostand, dazu eine hypothetische Rente, wenn du 35 oder älter bist
ItalienEstratto conto contributivo (INPS)Die Liste der verbuchten Beiträge
SpanienInforme de vida laboral (Seguridad Social)Jede Zeit, in der du gemeldet warst, in Tagen gezählt
IrlandContribution Statement (MyWelfare)Beiträge und Gutschriften. Sagt selbst, dass es keine Prognose ist
SchweizAuszug aus dem individuellen Konto (AHV)Die Unterlage, mit der du deine Beiträge auf Lücken prüfst

Dein Land fehlt in der Tabelle? Such nach dem Namen deines Rentenversicherers plus „Kontoauszug“ oder „Versicherungsverlauf“, in der Landessprache.

Steht bei dir nur ein Verlauf und kein Betrag, such den Rechner des Versicherers oder starte mit dem Rechner weiter unten: Der schätzt aus deinem Land und deinem Gehalt.

Du hast in mehr als einem EU-Land gearbeitet? Dann hast du mehr als eine Akte. Jedes Land zahlt seinen eigenen Teil, sobald du dort das Rentenalter erreichst, und Zeiten unter einem Jahr gehen nicht verloren. Den Antrag stellst du einmal, in dem Land, in dem du lebst oder zuletzt gearbeitet hast. Hol dir also aus jedem Land, in das du eingezahlt hast, eine Mitteilung.

Was im deutschen Schreiben steht#

Deutschland als Beispiel, weil die Renteninformation zu den gesprächigeren gehört. Die Deutsche Rentenversicherung verschickt sie automatisch einmal im Jahr an alle, die mindestens 27 Jahre alt sind und fünf Beitragsjahre haben. Drin stehen drei Beträge:

  • die Rente wegen voller Erwerbsminderung, die du bekämst, wenn du gar nicht mehr arbeiten könntest,
  • die Altersrente, die du dir bisher erarbeitet hast,
  • eine Hochrechnung deiner Altersrente zur Regelaltersgrenze, unter der Annahme, dass du weiter so einzahlst wie im Durchschnitt der letzten fünf Kalenderjahre.

Erst schätzen

Die Regelaltersgrenze liegt in Deutschland bei 67 Jahren für alle, die 1964 oder später geboren sind. Für jemanden, der heute anfängt zu arbeiten, rechnet die OECD mit 65 in Österreich, Spanien und Frankreich, 66 in Irland und 70 in Italien, wo das Rentenalter der Lebenserwartung folgt. Schau deins nach. Es wandert.

Deine Lücke, in heutiger Kaufkraft#

Jetzt kommen die Zahlen zusammen.

Lücke = gewünschte Monatsausgaben im Ruhestand − erwartete Monatsrente.

Rechne alles in heutiger Kaufkraft. Dafür musst du zweimal anpassen:

  1. Starte bei deinen aktuellen Monatsausgaben und pass sie an den Ruhestand an. Pendeln und Rentenbeiträge fallen vielleicht weg. Gesundheit, Heizung und Freizeit kosten meist mehr. Keine Ahnung? Dann nimm deine aktuellen Ausgaben.
  2. Rechne die hochgerechnete Rente in heutige Kaufkraft um und zieh ab, was dein Land von Renten einbehält: Steuern und in vielen Ländern die Krankenversicherung. Dabei hilft dir der Rechner.

Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen: Du willst 2.400 € im Monat, die staatliche Rente ist nach Abzügen in heutiger Kaufkraft 1.300 € wert. Deine Lücke: 1.100 € im Monat oder 13.200 € im Jahr.

Diese Zahl ist dein Ziel für Plan B. Sieht groß aus? Klar. Aber zum ersten Mal hat das Problem eine Größe, und ein Problem mit Größe ist nur noch eine Aufgabe.

Du hast noch andere sichere Einkünfte? Rechne sie dazu: eine Betriebsrente, Mieteinnahmen, einen privaten Rentenvertrag. Zähl nur, was dir vertraglich zusteht. Hoffnungen zählen nicht, Wahlversprechen auch nicht.

Diese Lektion ist Bildung, keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.

Nächstes Level: Bevor du irgendwas aufbaust, stopfst du die Löcher – Notgroschen, teure Schulden und Gebühren.

Mission

Quiz · 3 Fragen

F1 Wie berechnest du dein Nettovermögen?
F2 Nettoeinkommen 3.200 €, Ausgaben 2.560 €. Wie hoch ist die Sparquote?
F3 Welche zwei Fragen stellst du jeder Rentenmitteilung, bevor du mit ihrer Zahl planst?

Quellen#

Level 1

Fertig gelesen?

Mission abhaken, Quiz beantworten, XP abholen. Oder hol sie dir einfach so, ich bin nicht dein Lehrer.

Level 2: Stopf die Lecks

Wissen, keine Beratung. Ich kenne deine Situation nicht, und vergangene Renditen versprechen gar nichts. Prüf meine Zahlen, dann entscheide selbst. Du bist erwachsen.